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Objekt der Begierde – mobile Community-Plattform von gate5 (German)



Coming out in Berlin: Sie nennen es "urban mobile communication". Dahinter verbirgt sich eine Community-Plattform der mobilen Art, die sich als unentbehrliches Werkzeug für ein effizientes Stadtleben etablieren soll. Es geht um Information, Kommunikation und Transaktion auf jedem Endgerät, zu jeder Zeit und an jedem Ort. Die Kommunikation zwischen Menschen, auch person-to-person (p-to-p) genannt, steht dabei am Anfang und im Kern der Funktionalitäten der neuen Applikationsfamilie.

Die Gründer Frank Rieger (29) und Andreas Steinhauser (34) haben ihre Firma im November 1999 gate5 AG getauft, sitzen in Berlin, der geheimen Hauptstadt der mobilen Wirtschaft, und strotzen vor Visionen und Selbstvertrauen auf ihre technologische Kompetenz. Sie entwickeln ihre Software gemeinsam mit den Usern und wollen "trotz eines fairen Geschäftsmodells wirtschaftlich sein", gibt der CTO Steinhauser (Chief Technology Officer) die tief verwurzelte Firmenphilosophie wieder. "Wir sind eigentlich auch keine Internet Company. Sondern wir benutzen das Netzwerk und das Medium, um Leute da draussen mit Leuten da draussen zu vernetzen."

Rieger und Steinhauser kennen sich aus der Berliner Programmierszene und hatten bereits 1995 bei Art+Com in verschiedenen Projekten zusammen gearbeitet. Sie waren sich einig, gleich eine AG aufzusetzen, denn die neue Firma sollte ein grosses Ding werden. Selbstbewusstsein und Ehrgeiz der beiden wurde durch ihr Umfeld gestärkt. Von Anfang an hatten sich kompetente Freunde angeboten, in das neue Projekt miteinzusteigen: "Egal was ihr macht, wir sind dabei", zitiert Steinhauser. Als Seedinvestor konnte die holländische RTFM Holding gewonnen werden. Heute arbeiten in Berlin bereits 50 Mitarbeiter mit sichtbarer Motivation an der Verwirklichung der Vision. "Keiner arbeitet hier nur wegen Geld", dokumentiert Steinhauser die Anziehungskraft des Projektes.

Weil die beiden Techniker aus Erfahrung wussten, dass man mindestens soviele gute Businessleute wie Programmierer im Team braucht, holten sie Anfang 2000 Christophe Maire (34) als CEO (Chief Executive Officer) in das Gründerteam. Kosmopolit Maire, der in der Schweiz aufwuchs und u.a. in New York und Tokyo arbeitete, war zuletzt Geschäftsführer des fxcenter in Babelsberg, einem der grössten europäischen Produktionszentren für Postproduktion mit eigenem virtuellen Studio.

Erste Aufgabe für Maire war das Management der ersten Finanzierungsrunde. Das Ziel war klar: Ausreichend Geld über einen langen Zeitraum für die Weiterentwicklung der komplexen Technologie tanken. Dieser Meilenstein wurde im Sommer 2000 erreicht, als gate5 den Beteiligungsvertrag mit dem VC Europ@web über einen 2-stelligen Millionenbetrag unterschrieb. "Ein Volltreffer. Wir haben uns gegenseitig ausgesucht", bestätigt Steinhauser die Kompetenz des strategischen Finanzpartners.

Jedoch wird diese vielversprechende Partnerschaft dieser Tage auf den Prüfstein gestellt. Denn Europ@web, 1999 vom Franzosen Bernard Arnault gegründet, seines Zeichens Milliardär und Mehrheitsgesellschafter des Luxuskonzerns LVMH (Louis Vuitton Moet Hennessey), schliesst gerade 7 von 9 Standorten. Zu optimistisch schätzte man den Markt ein, zu ehrgeizig war man bezüglich der schnellen Internationalisierung der Portfoliofirmen. Das Münchner Büro, von dem aus gate5 federführend durch Michael Halbherr betreut wird, arbeitet glücklicherweise an einem Management Buyout und will gate5 auch weiterhin unterstützen. "Wichtig ist, dass das Geld reicht. Und es wird noch sehr lange reichen", beruhigt Steinhauser.

Firmenphilosophie: Das System mit und für die User entwickeln

Den Wünschen und Bedürfnissen der User wollen die Gründer von gate5 vor allem anderen Rechnung tragen. Die Erfolgsformel der Nutzerorientierung definiert der CTO Steinhauser als Quintessenz seiner Erfahrung: "Form schlägt Inhalt 4 zu 1", d.h. eine Anwendung muss 4 mal so komfortabel zu nutzen sein, wie sie nützlich ist. Auch für gate5 ist es eine tägliche Herausforderung, diesem Anspruch gerecht zu werden. "Ich kenne keine Plattform, die noch komplexer ist, zumindest im Back-End. Das alles vor dem User zu verstecken, ist nicht ohne Aufwand. Dafür muss man den User miteinbeziehen, wer das nicht tut, der verliert", führt Steinhauser den Usability-Gedanken weiter.

Das hört sich gut an. Endlich stehe ich, der User, im Mittelpunkt. Was brauche ich im Lebensraum Stadt, was ich nicht schon habe? Kurz überlegt und die Antwort steht auf dem Wunschzettel: Die richtige Information, zur richtigen Zeit, am richtigen Ort, frisch serviert aus der Datenbank, immer und überall verfügbar. Ausserdem einen heissen Draht zu meinen Freunden für die effiziente Gruppenkommunikation. Da mein PC nicht tragbar ist und der Laptop nicht in die Hosentasche passt, müssen die Infos auch auf meinem Handy oder PDA (Personal Digital Assistant) lesbar und navigierbar sein, egal wie winzig der Bildschirm ist. Ja, und wenn dann spannende Informationen und Angebote kostengünstig zu haben sind, dann könnte es passieren, dass ich dieses Werkzeug bald nicht mehr missen will.

Ausgehend vom User kombiniert die Applikation von gate5 folgerichtig bekannte mit neuen Elementen auf unwiderstehliche Weise, um am Ende dem Nutzer die Kommunikation und das Leben in der Stadt zu erleichtern. Die bekannten Elemente sind nutzergenerierte Inhalte, "Instant Messaging", Meinungs- und Bewertungsfunktionen und "Local Commerce" (L-Commerce).

Schnell kommt der Gedanke an die Meinungsportale auf - aus Newsgroups bekannt, als eigenständiges Geschäftsmodell von den Amerikanern Epinions.com im Juli 1999 in den USA eingeführt und in Deutschland von den Startups ciao.com oder dooyoo.com kopiert. Für Steinhauser ist die Meinungsfunktion jedoch schon Standardfunktion und gehört einfach dazu. Nutzer sollen Erfahrungen mit Produkten oder Dienstleistungen bewerten können. Im Stadtkontext, den gate5 betont, geht es dann um Kommentare zu den besten Restaurants, Bars oder Clubs. Der feine Unterschied besteht aber darin, dass die Meinungen bei gate5 in der Regel für die eigenen Freunde bestimmt sind. "Freunde sind die besten Berater. Private Kommunikation ist wertvoller als Behauptungen von Wildfremden", erklärt Steinhauser. Ausserdem sollte man die Autoren der Meinungen nicht bezahlen, denn darunter leidet die Qualität: "Treibender Motor ist für uns niemals Geld. Geld führt dazu, dass Leute irgendetwas reinschreiben, um dafür Geld zu bekommen", argumentiert der CTO.

Das neue Element ist eine interaktive Stadtkarte, die den gewünschten Kartenausschnitt in Echtzeit berechnet und soviel Informationen zu Gebäuden anzeigen kann, wie in der Datenbank enthalten sind. In der Datenbank für Berlin sind bereits mehr als 540.000 Datensätze enthalten, davon über 90.000 gewerbliche Einträge. Diese Objekte, zumeist private, öffentliche oder gewerblich genutzte Häuser, werden zu Informationsträgern, denn einzelne Nutzer oder Gruppen können Informationen an die Objekte anhängen. Die Datenbank kann jederzeit aktualisiert werden und einzelne Objekte können mit externen Datenquellen verbunden werden.

"Bezüglich Technologie und Vision ist gate5 einzigartig und, international betrachtet, ein Pionier. Der Navigationsmechanismus über Daten in der gate5 Anwendung ist neu", begründet der Mann von Europ@Web die Investition in die Berliner. Solch eine Aussage kommt nicht oft von Investoren in Deutschland, die häufig Businesspläne von Unternehmen auf den Tisch bekommen, die Ideen aus den USA kopieren. Jetzt geht es für Halbherr darum, am Markt zu lernen und maximale Applikationsinnovation pro Zeiteinheit zu erreichen.

Investment Manager Halbherr, der 2 bis 3 Tage pro Woche strategisch und operativ für den Erfolg von gate5 denkt und handelt, beschreibt realitätsbewusst die Situation: "Eine Gefahr ist die Komplexität der Anwendung", womit er darauf anspielt, dass Technologieentwickler mit großen Visionen immer Gefahr laufen, zuviel Wert auf neue umfangreiche Funktionen zu legen, statt mit Hilfe des berühmten "Code Freeze" marktreife Endversionen der Software zu definieren, die fehlerfrei fertig programmiert und ausgeliefert werden können. Langsam wird es Zeit für gate5, Umsätze zu schreiben, denn seit der Gründung im November 1999 sind über 15 Monate vergangen.

Mit vertrauter Überzeugung erklärt CTO Steinhauser die Wettbewerbsposition und das zeitliche Agieren von gate5: "Der Innovationsgrad ist sehr hoch, die Kombination der einzelnen Elemente ist einzigartig. Communities haben in der Regel im Internet bislang keinen intuitiven lokalen Aspekt und keine Synergien mit lokalen Gewerbetreibenden. Es wird Nachahmer geben, es wird auch Unternehmen geben, die einzelne Teilaspekte besser können. Aber unser gesamtes System nachzuimplementieren, ist kein Pappenstiel." Wie die Wettbewerber tatsächlich reagieren, bleibt jedoch abzuwarten.

Unsere Infrastruktur ermöglicht mehrere Geschäftsmodelle

So gut gerüstet kann man in Ruhe die Frage nach dem Geschäftsmodell beantworten, während andere dafür oft nur eine Aufzugfahrt Zeit haben. Wer bezahlt gate5 für welche Leistung wieviel Geld? "Unsere Infrastruktur ermöglicht mehrere Geschäftsmodelle", erklärt CEO Maire. "Diese müssen in den nächsten Monaten nach dem Vorbild der dynamischen Kriegsführung fokussiert und verfeinert werden", fügt Halbherr hinzu. Worauf Maire das Firmenkonzept genauer beschreibt: "Dort wo die anderen aufhören, fangen wir an. Wir sind ein Beziehungsbroker. Mit unserer Technologie ermöglichen wir lokale Geschäfte."

Für die User fallen für die Nutzung der gate5 Plattform keine zusätzlichen Gebühren an. Sie tragen jedoch die Kommunikationskosten, d.h. Online-Zugang und SMS. Das größte Umsatzpotential sieht Maire im Vermitteln von Transaktionen, insbesondere dann, wenn sie zeitkritisch sind. Der CEO will Anbieter und Nachfrager in derselben Stadt schnell und billig zusammenführen. Dank der umfangreichen Mobilisierung der Plattform kann ein Nutzer unterwegs beispielsweise ein Lastminute-Angebot per SMS erhalten, auf das er dann durch einfache Ja-Nein-Interaktion reagieren kann. Lokale Händler und Dienstleister, die auf der Plattform Kundenbeziehungen managen, bezahlen den Plattformbetreiber für Präsenz, Kundenkontakt und vermittelte Kunden.

Denkt man beispielsweise an Hotels, werden die besonders erfolgversprechenden Partnerschaften im Stadtkontext deutlich. Gemeinsam mit einem Hotelreservierungssystem könnte gate5 alle Berliner Hotels in die Datenbank und damit automatisch in die Stadtkarte einbauen. Nach der Suchanfrage kann man dann vom Hotel auf der Karte direkt zum Online-Reservierungssystem verlinken. Für diese Kundenvermittlung würde der Hotelbroker eine Provision an den Plattformbetreiber überweisen. Auch ist geplant, sämtliche Informationen des Transportnetzwerkes der Berliner Verkehrsbetriebe mit allen Haltestellen, Routen und Fahrplänen mit der Karte zu verbinden. Ausserdem können Geldautomaten, Telefonzellen oder sogar Standorte von Stattautos integriert werden.

Mit dem Piloten zoomland Erfahrungen sammeln

Maire gesteht ein, dass eine der Herausforderungen sein wird, ein effizientes Business Development für die Kooperation mit vielen lokalen Partnern aufzusetzen. Um hier Erfahrungen zu sammeln, geht gate5 mit der eigenen Plattformmarke zoomland an den Start. "In zoomland steckt die Seele der Firma", sind sich die Gründer einig. Neben der emotionalen Bedeutung spielt zoomland die wichtige Rolle des Testmarktes. Denn aus dem Verhalten der privaten und geschäftlichen Nutzer auf zoomland will gate5 wichtige Erkenntnisse ziehen, um die Software besser lizensieren zu können.

Die auf zoomland heute zur Verfügung stehenden Funktionen geben einen ersten Eindruck des Potentials der gate5 Applikationsfamilie. Im privaten Bereich legt man seine Visitenkarte an und kann dann Freunde in die selbst angelegten Infokanäle einladen. Die Freunde, die eine Einladung in den Channel akzeptieren, können angeben, ob sie über Neuigkeiten per SMS oder E-Mail benachrichtigt werden möchten. Wenn man auf ein Gebäude klickt, kann man die Notizen lesen, die andere User dort hinterlassen haben. Im öffentlichen Bereich findet man verschiedene Channels, die die Redaktion oder andere User zur Verfügung stellen.

Der Aufbau der Plattform zoomland ist nur der erste Schritt. Danach muss die Technologie lizensierbar gemacht werden, um als Applikationsfamilie an Lizenznehmer verkauft zu werden, die eine eigene Community-Plattform betreiben wollen. Dabei wird ein ASP-basiertes (Application Service Provider), dynamisches Lizensierungsmodell zum Einsatz kommen, bei dem die Lizenzgebühren in Abhängigkeit der Anzahl und Aktivität der registrierten Nutzer im System berechnet werden. gate5 übernimmt Hosting und Betrieb der Rechner oder installiert das System vor Ort beim Lizenznehmer. In den Augen von Halbherr sollen die Erlöse aus der Technologielizensierung mittelfristig den größten Umsatzanteil ausmachen und zur Cash Cow des Unternehmens werden.

In den Zeiten der Informationsflut sind nur relevante Informationen für den Nutzer wertvoll. Christophe Maire spricht in diesem Zusammenhang gerne vom "kontextuellen Marketing". Gemeint ist die Aufwertung eines Angebotes für den Zielkunden, wenn der Kontext stimmt. Die Plattform von gate5 ist darauf ausgelegt, den richtigen Kontext herzustellen. Der jeweilige Kontext ist die Mischung aus Zeitpunkt, Ort, Thema und Absender einer Information. Das beste Beispiel ist das Mittagsmenü des italienischen Restaurants per SMS an die Freunde der italienischen Küche, die sich auf diesen Channel abonniert haben. Der Clou dabei ist, dass der Chefkoch persönlich das Menü per SMS oder im Redaktionssystem auf der Website publizieren kann.

Beispiel Wohnungssuche: Der User sucht eine Wohnung und will nicht x verschiedene Plattformen durchsuchen. Die vielen konkurrierenden Online-Anbieter erfordern es, separate Suchanfragen in allen Angeboten zu starten. gate5 dagegen hat bereits alle Gebäude in der Datenbank erfasst und könnte, nach Erweiterung der Datensätze und entsprechendem Implementierungsaufwand, freie Wohnungen auf Knopfdruck in der interaktiven Stadtkarte anzeigen lassen. Die Wohnungs- oder Bürosuche würde dann so ablaufen: Man gibt die Suchparameter ein, z.B. "4-Zimmer bis 2.000,- DM warm", und startet die Suche. Das Suchergebnis färbt in der grafischen Darstellung alle Wohnungen in Echtzeit auf dem Stadtplan grün ein. Die künftigen Mitbewohner kann man dann gleich zur Wohnungsbesichtigung per SMS einladen und dem Vermieter einen Terminvorschlag mitteilen.

SMS spielt zentrale Rolle für die Community-Mobilisierung

In Deutschland werden im Monat über 2 Milliarden SMS verschickt. "SMS wird noch lange ein Thema bleiben", prophezeit Steinhauser. "Unser System ist komplett über SMS benutzbar. Ich kann mich per SMS auf Channels subskribieren oder Suchanfragen starten. Das ist nur der erste Schritt in Richtung der mobilen Kommunikation über Daten. Sobald GPRS (General Packet Radio Service) gut verbreitet ist, werden SMS Preise deutlich sinken. Es ist dann schlicht besser und billiger, sich die paar Bytes über GPRS zu holen, die eine SMS ausmacht", argumentiert Steinhauser. Entsprechend ist zoomlands aktueller User-Magnet die SMS-Funktion. Derzeit kann man kostenlos 10 SMS pro Tag verschicken, die gate5 auf zoomland "sponsert". Weitere SMS-Kontingente müssen die User hinzukaufen, d.h. die intensive City-Kommunikation kostet den User auf Dauer Geld.

Der Abonnent eines Channels soll künftig entscheiden, ob er die Info per SMS-Push haben und dafür bezahlen will. Nicht der User, der sie in das System publiziert hat und auch nicht gate5, deren Server die SMS rausschickt. Es bleibt abzuwarten, wie die User reagieren, wenn sie dank ihrer eigenen Aktivitäten viel SMS Volumen generieren und bezahlen müssen. Die Kontrolle, welcher User wieviele SMS über das gate5 Gateway geschickt hat, ist einfach. Schwieriger wird es, wenn man den Nutzern die selbst verursachten SMS in Rechnung stellen will. "Ein Mechanismus ist, wir rechnen die SMS gar nicht ab, weil sie gesponsert werden. Eine andere Methode ist unsere Micropayment-Infrastruktur. Jeder User hat ein Konto bei uns, das er über alle erdenklichen Wege aufladen kann und wovon er dann die Premiumdienste bezahlt", erklärt Steinhauser.

Wegen der hohen aktuellen Bedeutung von SMS, tritt gate5 schon jetzt als Dienstleister für verschiedene Kunden auf, die ihre SMS-Distribution über gate5 abwickeln. "Wir haben unser eigenes SMS-Gateway mit direkten Leitungen zu allen deutschen Netzbetreibern ausser Viag Interkom, und auch zur Swisscom. Wir können sehr effizient grosse Mengen verarbeiten und das sogar auch als Dienstleistung anbieten", beschreibt Steinhauser die zusätzliche Einnahmequelle aus der SMS-Distribution.

Das inzwischen viel gescholtene Thema WAP (Wireless Application Protocol) spielt dagegen bei gate5 derzeit eine untergeordnete Rolle. Zur Begründung antwortet der CTO: "Just another Protocol. Heute ist WAP eine Katastrophe. Natürlich gibt es eine Menge User, die WAP schon einmal ausprobiert haben." Da die Architektur der gate5 Plattform auf XML (Extended Markup Language) basiert, kann man da HTML (Hypertext Markup Language) oder WML (Wireless Markup Language) raus holen, egal für welches Endgerät. GPRS wird dagegen schon viel spannender, auch wenn diese Art der funkbasierten Datenübertragung in vielen Fällen ganz ohne WAP auskommen wird. "Rate mal, was die Leute bei GPRS klicken werden? Das ist natürlich normales HTML. Auf dem Endgerät hast du Deinen HTML-Browser, über Bluetooth ist das GPRS-Handy in der Hosentasche verbunden, und ab geht die Post", sieht Steinhauser voraus.

Die Privatsphäre des Users wird geschützt, der Aufenthaltsort muss freiwillig weitergegeben werden

Das ganze Gerede über "Location, Location, Location" verfolgt gate5 mit grosser Skepsis. Das Vertrauen und die Privatsphäre der User sind heilig. Aufenthaltsorte dürfen nicht automatisch erfasst werden. Die Anonymität muss gewährleistet sein, sofern der User das will. Steinhauser formuliert den Standpunkt folgendermassen: "Wenn ich als User selber bestimmen kann, wer wann wissen darf, wo ich bin, dann wird es interessant." Der User muss also explizit per SMS oder WAP erlauben, dass Anbieter den Aufenthaltsort der Zielgruppe erfahren. Ortsbezogene Dienste können in den Augen des CTOs nämlich schnell an Grenzen stossen: "Abschminken können wir uns, dass über die GSM-Lokalisierung (Global System for Mobile Communication) das Ding weiss, vor welchem Laden ich stehe und mir automatisch das richtige Angebot schickt. Nein, ich will nicht 40 SMS bekommen von allen Läden im Umkreis von 300 m, dann piepst und vibriert es dauernd in der Hose und das ist zuviel."

Was die Datenhoheit des Kunden anbelangt, kennt gate5 keine Grenzen und arbeitet gerade an der ultimativen Lösung: "Wir hindern uns selbst daran, der Kundendaten habhaft zu werden. Wir arbeiten daran, es beweisen zu können, dass wir selbst die Profile unserer Kunden nicht kennen. Würde die Firma eines Tages verkauft, könnte auch ein neuer Eigentümer nicht an die Kundenprofile heran, denn die Daten werden mit Hilfe von starker Verschlüsselungstechnologie nur für den Nutzer selbst zugänglich sein." Problematisch ist bei diesem Ansatz allerdings, dass man dann nicht mehr weiss, was man alles gespeichert hat. Unerwünschte oder sogar gesetzeswidrige Kommunikation kann möglicherweise nicht mehr nachvollzogen werden.

Noch gibt es im zoomland des virtuellen Berlins wenige Community-Mitglieder. Dank Mechanismen des viralen Marketings, das darauf aufbaut, dass bereits aktive Nutzer ihre Freunde zum gemeinsamen Stadterlebnis einladen, sollen viele Nutzer akquiriert werden. Wir sind gespannt, ob zoomland oder andere Plattformen, die auf der gate5 Software beruhen, tatsächlich hohe User-Akzeptanz aufbauen können und zum neuen Magneten virtueller Städte werden. An der Visionskraft des gate5 Teams kann es jedenfalls nicht scheitern.


Jan Michael Hess | mail | 01/03/14

Jan Michael Hess is CEO of Mobile Economy and Organiser of Green Venture Summit. Jan also functions as mobiliser's Chief Editor.


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